AFIR 2026: Was CPOs neben 3.600 kW jetzt mitplanen müssen
Leistungsziele sind nur ein Teil der AFIR. Zahlungsannahme, Preistransparenz und DATEX-II-Daten gehören bei neuen Ladehubs von Anfang an in die Systemplanung.

Bei AFIR wird häufig zuerst über Abstände und Megawatt gesprochen. Für CPOs ist die Verordnung aber ebenso eine Betriebs- und Datenanforderung. Ein neuer Lkw-Ladehub muss deshalb nicht nur genügend Leistung bereitstellen, sondern auch Ad-hoc-Zahlung, transparente Preise und standardisierte Betriebsdaten von Beginn an technisch abbilden.
Die nächsten Leistungsmeilensteine für schwere Nutzfahrzeuge
| Frist | TEN-V-Kernnetz | TEN-V-Gesamtnetz |
|---|---|---|
| 31. Dezember 2027 | Auf 50 % der Netzlänge: mindestens 2.800 kW je Pool und mindestens 2 × 350 kW | Auf 50 % der Netzlänge: mindestens 1.400 kW je Pool und mindestens 1 × 350 kW |
| 31. Dezember 2030 | Maximal 60 km Abstand je Fahrtrichtung, mindestens 3.600 kW je Pool und mindestens 2 × 350 kW | Maximal 100 km Abstand je Fahrtrichtung, mindestens 1.500 kW je Pool und mindestens 1 × 350 kW |
Diese Werte sind europäische Mindestziele für die Netzabdeckung. Sie sind kein Dimensionierungsrezept für einen einzelnen Standort. Verkehrsaufkommen, Aufenthaltsdauern, Serviceziel, Flächenrestriktionen und Netzverfügbarkeit können eine andere oder höhere Auslegung erfordern.
Drei Pflichten, die bereits in die Planung gehören
Zahlung: Neue öffentlich zugängliche Ladepunkte ab 50 kW müssen Ad-hoc-Zahlung per Kartenleser oder kontaktloser Zahlung ermöglichen. Ab 1. Januar 2027 gilt eine Nachrüstpflicht auch für ältere öffentlich zugängliche Ladepunkte ab 50 kW.
Preistransparenz: Bei öffentlich zugänglichen Ladepunkten ab 50 kW ist der Ad-hoc-Preis pro kWh vor Beginn des Ladevorgangs an der Station auszuweisen. Ein zusätzliches zeitbasiertes Belegungsentgelt ist möglich, muss aber ebenfalls vorab erkennbar sein.
Daten: CPOs müssen statische und dynamische Daten diskriminierungs- und kostenfrei bereitstellen. Seit 14. April 2026 ist dafür das standardisierte DATEX-II-Format vorgeschrieben.
Betrieb: Payment, Backend, Ladehardware, Monitoring und Datenübergabe sind keine getrennten Nachträge. Ihre Schnittstellen müssen bereits in Ausschreibung, Testkonzept und Abnahme zusammenpassen.
AFIR-Untergrenze und Business Case sauber trennen
Für Investitionsentscheidungen sollten regulatorische Mindestwerte als feste Randbedingungen im Modell stehen. Nachfrage- und Erlösannahmen gehören in eine separate Szenarioebene. So bleibt sichtbar, ob eine Konfiguration rechtlich ausreichend ist, den erwarteten Ladebetrieb bewältigt und wirtschaftlich trägt. Das sind drei unterschiedliche Fragen, die nicht durch dieselbe Kennzahl beantwortet werden.
- Rechtsrahmen: Welche AFIR-Anforderungen gelten für Standort, Inbetriebnahmedatum und Ladepunktklasse?
- Service: Welche Wartezeit, Verfügbarkeit und Abfahrtsenergie soll der Standort gewährleisten?
- Technik: Welche Ladepunkt-, Backend-, Payment- und Datenarchitektur erfüllt diese Ziele?
- Wirtschaft: Welche Auslastung, Preise, Energiekosten und Ausbauphasen ergeben einen tragfähigen Business Case?
- Nachweis: Welche Daten werden benötigt, um Planung, Betrieb und spätere Anpassungen nachvollziehbar zu dokumentieren?
Wie conduix die Ebenen zusammenführt
In conduix lassen sich regulatorische Mindestanforderungen, Nachfrageszenarien und technische Varianten getrennt erfassen und anschließend gemeinsam bewerten. Dadurch wird erkennbar, welche Entscheidung aus der Regulierung folgt und welche aus dem standortspezifischen Geschäfts- und Betriebskonzept.