Vom Umlaufplan zum Netzanschluss: Wie ein belastbares Lastprofil entsteht
Tagesenergie, Ladebedarf und elektrische Last sind drei verschiedene Größen. Wer sie trennt, dimensioniert Ladepunkte und Netzanschluss nachvollziehbar statt nach pauschaler Gleichzeitigkeit.

Ein Flottenplan beantwortet, wann Fahrzeuge fahren und welche Energie sie nachladen müssen. Er beantwortet noch nicht, wann der Standort welche elektrische Leistung bezieht. Erst Ladepunkte, Anschlussgrenzen, Prioritäten, Störungen und die tatsächliche Zuweisung der Fahrzeuge formen aus dem Mobilitätsbedarf ein elektrisches Lastprofil.
Vier Ebenen, die nicht vermischt werden sollten
| Ebene | Zentrale Eingaben | Ergebnis für die Planung |
|---|---|---|
| Fahrzeugbetrieb | Umläufe, Verbrauch, Ankunft, Abfahrt, SoC | Energiebedarf und Zeitfenster je Fahrzeug |
| Ladeinfrastruktur | Anzahl, Leistung, Steckertyp, Verfügbarkeit | Technisch mögliche Ladevorgänge |
| Betriebssteuerung | Prioritäten, Zuweisung, Warteschlange, Lastgrenze | Realisierte Ladevorgänge und elektrisches Lastprofil |
| Energiesystem | Netz, Tarif, PV, Speicher, Regelstrategie | Netzbezug, Energiekosten und Investitionsvarianten |
Warum Tagesenergie keine Anschlussleistung ergibt
Zwei Standorte können pro Tag dieselbe Energiemenge laden und dennoch völlig unterschiedliche Leistungsspitzen verursachen. Verteilt sich der Bedarf über lange Standzeiten, kann eine begrenzte Anschlussleistung ausreichen. Treffen viele Fahrzeuge mit kurzen Abfahrtsfenstern gleichzeitig ein, steigen Parallelität, Wartezeit und Spitzenleistung. Eine pauschale Gleichzeitigkeit verdeckt genau diese Dynamik.
Die im Mai 2026 veröffentlichte Kurzanleitung der Nationalen Leitstelle empfiehlt deshalb, Fahrzeugzahl, Fahrleistung, Energiebedarf, Standzeiten, Verfügbarkeit und Einsatzprioritäten systematisch auszuwerten. Sie nennt außerdem das bestehende Lastprofil des Standorts als Grundlage für die Prüfung, ob freie Anschlusskapazität genutzt werden kann.
Kennzahlen, die eine Betriebssimulation liefern sollte
Versorgungsgrad: Anteil der Fahrzeuge, die ihre benötigte Abfahrtsenergie rechtzeitig erreichen.
Wartezeit und Warteschlange: Nicht nur Mittelwerte, sondern auch kritische Zeitfenster und Ausreißer.
Leistung: Spitzenwert, Dauer der Spitzen und Verlauf an Netzanschluss, Trafo und Ladepunkten.
Auslastung: Belegungs- und Leistungsnutzung je Ladepunkt, Technologie und Ausbauphase.
Robustheit: Auswirkungen von verspäteten Ankünften, höherem Verbrauch, Ladepunktausfall oder begrenzter Netzleistung.
Der belastbare Planungsablauf
- Betriebsdaten bereinigen und Annahmen zu Verbrauch, SoC und Elektrifizierungsgrad dokumentieren.
- Aus einzelnen Fahrzeugbedarfen zeitlich aufgelöste Ladevorgänge erzeugen.
- Infrastrukturvarianten und Steuerungsregeln in derselben Nachfrage simulieren.
- Nur Varianten weiterführen, die definierte Serviceziele auch in Stressfällen erfüllen.
- Das resultierende Lastprofil anschließend für Netz, PV, Speicher und Wirtschaftlichkeit verwenden.
Warum diese Trennung für Planungsbüros und Betreiber wertvoll ist
Wenn jede Modellstufe ihre eigenen Eingaben und Ergebnisse behält, lassen sich Änderungen gezielt nachrechnen: ein anderer Umlaufplan, ein zusätzlicher MCS-Ladepunkt oder eine neue Netzgrenze erfordert dann keinen Neustart der gesamten Planung. conduix schafft dafür ein konsistentes Szenariomodell und hält Annahmen, Betriebsergebnis und Energiesystemvariante nachvollziehbar zusammen.